Der Schnee, der die Hoffnung nicht töten konnte

An jenem Tag kam der Winter nicht leise — er trat auf wie ein gnadenloser Richter, als wolle er prüfen, wie viel Schmerz ein lebendiges Wesen ertragen kann, bevor es endgültig zerbricht, und die Kälte war so dicht, dass man meinte, die Luft mit einem Messer schneiden zu können, während sich das weiße Feld bis zum Horizont erstreckte und weder Schutz noch Rettung versprach, nicht einmal die Illusion von Wärme, und genau in dieser erstarrten Stille, in der jeder Schritt trocken im Schnee knirschte, bewegte sich langsam ein Wesen vorwärts, so sehr mit Schnee bedeckt, als hätte der Winter selbst beschlossen, es zu einem Teil seiner Landschaft zu machen, zu einem Teil seiner erbarmungslosen Gleichgültigkeit.

Jeder Schritt war ein Kampf, die Pfoten sanken tief ein, der Körper zitterte nicht vor Angst, sondern vor Erschöpfung, denn die Angst hatte längst einem dumpfen, allgegenwärtigen Kältegefühl Platz gemacht, das unter die Haut kroch, in die Knochen, bis hinein in jeden Gedanken an Zukunft, und das Fell, einst warm und lebendig, war nun von Eis verklumpt, schwer und feucht, als trüge es die Last dieses ganzen Winters, während der Blick nach unten gerichtet war und keinen Weg suchte, sondern nur versuchte, nicht zu stürzen, weil ein Sturz das Ende bedeutet hätte.

Der Schnee klebte am Maul, setzte sich in den Wimpern fest, der Atem kam in kurzen, unruhigen Wolken aus dem Körper, und mit jeder davon schien ein Rest Kraft zu verschwinden, doch irgendwo tief im Inneren, dort, wo weder Kälte noch Schmerz hinreichen, glomm ein eigensinniger Wille zu leben, nicht weil es jemanden gab, für den es sich lohnte, nicht weil irgendwo ein Zuhause oder ein Napf mit Futter wartete, sondern weil das Leben selbst, selbst in dieser Form, eine seltsame Fähigkeit besitzt, sich bis zum letzten Moment an sich selbst festzuhalten.

— Nicht jetzt… — schien eine innere Stimme zu flüstern, heiser und kaum hörbar.
— Nur noch ein Schritt, nur noch einer, dann darfst du stehen bleiben — redete sie zu, ohne zu wissen, ob sie zum Körper sprach oder zum Schicksal selbst.

Einmal war dieser Weg ein anderer gewesen, einmal liefen die Pfoten leicht über den Boden, der Wind war ein Begleiter und kein Feind, der Schnee bedeutete Spiel und nicht langsames Sterben, und die Erinnerungen an diese Zeit blitzten plötzlich auf wie der Schmerz einer alten Wunde, weil sie daran erinnerten, was unwiederbringlich verloren gegangen war, an die Wärme menschlicher Hände, an eine Stimme, die beim Namen rief, an Abende, an denen man sich am Eingang zusammenrollen konnte und sich gebraucht fühlte.

— Wo bist du jetzt… — schien sich etwas an die Leere zu richten, und die Leere antwortete nur mit dem Heulen des Windes.
— Warum bist du gegangen, warum bist du nicht zurückgekommen — setzte sich dieser stumme Dialog fort, ohne Antworten, nur getragen von Erinnerung.

Der Winter fragt nicht, wer du bist oder woher du kommst, es ist ihm gleichgültig, ob du einst geliebt oder vergessen warst, für ihn sind alle gleich, und genau deshalb klang jede neue Windböe wie ein persönliches Urteil, jede Schneewehe wie eine Falle, aus der es immer schwerer wurde zu entkommen, und der vom Hunger geschwächte Körper begann tückisch langsamer zu werden, als hätte er selbst beschlossen, dass es genug sei.

Irgendwann waren die Kräfte beinahe aufgebraucht, der Schritt wurde unsicher, eine Pfote knickte ein, die Welt kippte, der Schnee war plötzlich viel zu nah, viel zu kalt, und der Gedanke, sich einfach hinzulegen und nicht mehr aufzustehen, erschien erschreckend verlockend, denn auch Ruhe kann wie Rettung aussehen, besonders dann, wenn der Schmerz zum Hintergrund wird und die Hoffnung fern und fast unwirklich wirkt.

— Man könnte einfach stehen bleiben… — flüsterte es leise im Inneren.
— Niemand würde es bemerken, niemand würde urteilen — fügte eine andere Stimme hinzu, müde und beinahe sanft.

Doch ganz tief, auf dem Grund dieses einfrierenden Bewusstseins, tauchte die Erinnerung an einen warmen Blick auf, an ein Wort, das einst mit Freude gesprochen worden war, und diese Erinnerung, wie ein dünner Faden, hielt vom Fallen ab, zwang dazu, sich wieder aufzurichten, einen weiteren Schritt zu machen, dann noch einen, obwohl die Pfoten nicht mehr gehorchten und der Atem die Brust von innen zerriss.

Der Schnee knirschte, aus den Verwehungen ragten trockene Äste wie erstarrte Finger, und die ganze Landschaft wirkte, als hätte sich die Welt abgewandt, doch gerade in solchen Momenten nimmt das Leben manchmal eine unerwartete Wendung, denn voraus, durch den weißen Schleier, erschien eine kaum erkennbare dunkle Kontur, fremd in diesem leblosen Feld, und das Herz, wenn man es hätte hören können, wäre schneller geschlagen, denn jedes Zeichen in der Leere fühlt sich an wie Hoffnung.

— Da ist jemand… — klang es im Inneren, zögernd und vorsichtig.
— Täusch dich nicht — antwortete die Angst — es könnte nur ein Schatten sein.

Die Schritte wurden langsamer, bedachter, doch die Richtung war bereits gewählt, denn selbst Enttäuschung ist besser als Stillstand, und je näher diese dunkle Gestalt kam, desto klarer wurde, dass es keine Einbildung war, dass dort etwas Reales stand, etwas, das sich nicht im Schnee auflöste, und in diesem Moment trat die Kälte plötzlich in den Hintergrund und machte einem seltsamen, fast vergessenen Gefühl Platz — der Erwartung.

Es war ein Mensch, in schwere Kleidung gehüllt, der stehen blieb, als er dieses schneebedeckte, zitternde Wesen sah, und für ein paar Sekunden hielt die Welt den Atem an, als hätten beide Angst, dieses fragile Gleichgewicht zu stören, Angst, eine falsche Bewegung zu machen, weil Vertrauen so oft in Schmerz endet und Schmerz in dieser Kälte tödlich sein kann.

— Mein Gott… — hauchte der Mensch, und in diesem Wort lag mehr als Überraschung, darin lagen Mitgefühl, Schock und Hilflosigkeit.
— Wie lebst du überhaupt noch… — fügte er hinzu und machte einen Schritt näher.

Natürlich kam keine Antwort, nur ein Blick, müde, wachsam, voller Zweifel, denn die Vergangenheit lehrt Vorsicht, doch der Körper bewegte sich von selbst nach vorn, weil Wärme auch aus der Ferne spürbar ist, weil der Geruch von Leben stärker ist als der Geruch des Todes, und dieser Schritt auf den Menschen zu wurde zum wichtigsten Schritt des ganzen Tages.

Hände berührten vorsichtig das durchgefrorene Fell, und diese Berührung war so unerwartet, dass ein Zittern durch den ganzen Körper lief, nicht vor Kälte, sondern vor dem Kontrast, vor der Tatsache, dass nach so vielen Stunden der Einsamkeit plötzlich jemand da war, und in dieser Berührung lag keine Aggression, nur Fürsorge und eine stille Entschlossenheit.

— Alles gut, ganz ruhig — sagte der Mensch, selbst kaum fähig zu glauben, was geschah.
— Du bist nicht mehr allein, hörst du — fügte er hinzu, als könnten diese Worte besser wärmen als jedes Feuer.

Der Schnee fiel weiter, der Wind ließ nicht nach, doch in diesem kleinen Raum zwischen zwei lebenden Wesen wurde es plötzlich wärmer, denn Hoffnung, selbst die zerbrechlichste, besitzt die Kraft, die Realität zu verändern, und der Weg zurück erschien nicht mehr endlos, weil er nicht mehr allein gegangen wurde, weil jeder Schritt nun von der Nähe eines anderen begleitet war.

— Wir schaffen das — sagte der Mensch mit fester Stimme, während er den erschöpften Körper anhob.
— Ich lasse dich nicht zurück — fügte er hinzu, und darin lag kein Pathos, sondern nur eine einfache, menschliche Wahrheit.

Der Schnee war kein Feind mehr, sondern nur noch ein Hindernis, die Kälte kein Urteil mehr, sondern eine Prüfung, die man überstehen konnte, und irgendwo tief im Inneren, dort, wo vor Kurzem nur Leere gewesen war, entzündete sich erneut etwas Warmes und Lebendiges, etwas, das kein Winter gefrieren kann, wenn es jemanden gibt, der im kältesten Moment nicht einfach vorbeigeht.

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Der Schnee, der die Hoffnung nicht töten konnte
І раптом погляд вихоплює щось темне…